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Eine Entfernung der Mandeln erfolgt nach fortgesetzten Halsentzündungen, die sich anders nicht mehr unterbinden lassen. Die Betroffenen empfinden schließlich jedes Schlucken als Tortur. Wenn wegen sich wiederholender Halsentzündungen alle sonstigen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Mandelnentfernung sinnvoll. Ärzte raten zur Umsicht, denn der Eingriff birgt auch Risiken.

Funktion der Mandeln

Die Mandeln (Tonsillen) schützen als Teil des Immunsystems den Körper vor Erregern. Sie erkennen und bekämpfen diese. Ihre Lage an Gaumen und Rachen lässt sie diejenigen Krankheitserreger identifizieren, die über den Mund oder die Nase eindringen. In den Mandeln befinden sich viele weiße Blutkörperchen, welche effizient eindringende Viren, Bakterien und Pilze abtöten können. Wir haben insgesamt vier Mandeln:

  • Tonsilla lingualis (Zungenmandel)
  • Tonsilla pharyngealis (Rachenmandel)
  • Tonsilla palatina (zwei Gaumenmandeln)
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Letztere liegen links und rechts in den Gaumenbögen bzw. deren Schleimhautfalte. Es sind die einzigen Mandeln, die ohne Hilfsmittel bei geöffnetem Mund sichtbar sind. Die am Gaumendach liegende Rachenmandel erkennt der Arzt bei einer Nasenspiegelung. Die Zungenmandel hat ihren Platz an der hinteren Zungenfläche hinten am Zungengrund. Gemeinsam bilden die vier Mandeln den Rachenring, der die Ausgänge des Nasen- und Mundraums in den Rachen umgibt. Diese Lage ist perfekt dazu geeignet, alle Krankheitserreger abzufangen, die über die Nase oder den Mund eindringen. An den seitlichen Rachenwänden unterstützen zusätzliche Abwehrzellen den Rachenring (der sogenannte „Seitenstrang“). Wenn die Mandeln entfernt wurden, übernehmen diese Zellen die betreffende Abwehraufgabe, so gut das möglich ist.

Mandelentzündung

Bevorzugt entzünden sich die Gaumen- und manchmal auch die Rachenmandeln, was an ihrer Schwellung, einer starken Rötung und dem Überzug mit einem gelblichem Belag erkennbar ist. Symptome einer Mandelentzündung sind starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber. Wenn sich bei einem Kind die Mandeln entzünden, vergrößern sie sich so stark, dass die Atmung behindert wird. Dies löst sogar Schlafstörungen aus. Daher ist die Mandelentfernung durchaus indiziert. Ärzte raten vor allem dann dazu, wenn neben den Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auch noch Mittelohr- und Nebenhöhlenentzündungen hinzukommen bzw. vor allem Kinder nicht mehr durch die Nase atmen können. Die erste Therapievariante ist stets die Gabe von Antibiotika. Wenn das nicht mehr hilft und sich die Entzündungen häufen, ist die Mandelentfernung angebracht.

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Kriterien für die Mandelentfernung

Die Einzelentscheidung über eine Mandelentfernung trifft der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten (bzw. den Eltern eines Kindes). Es gibt aber recht handfeste Anhaltspunkte:

  • Bei Erwachsenen raten Ärzte zur Entfernung der Mandeln, wenn sie innerhalb eines Jahres vier oder mehr Mandelentzündungen hatten.
  • Bei Kindern ist die Entfernung ab dem 6. Lebensjahr und ab acht Mandelentzündungen pro Jahr ratsam.

Häufiger ist von Betroffenen nach der Operation zu hören, dass sie „nur erleichtert“ seien, weil sie nun keine Probleme mit den Mandeln mehr hätten. Dementsprechend gibt es Menschen, die schon bei kleineren Problemen den Arzt drängen, die OP durchzuführen: Sie möchten sich am liebsten die Mandeln prophylaktisch entfernen lassen, um nie wieder damit Ärger zu haben. Doch Fachleute raten zur Vorsicht: Erstens birgt die Operation wie jeder Eingriff bestimmte Risiken. Dazu zählen die allgemeinen OP-Risiken und speziell bei der Mandel-OP das Risiko sehr starker Blutungen. Unmittelbar nach der OP ist zunächst mit starke Schmerzen bei jedem Schlucken zu rechnen. Das verleitet manche Patienten dazu, viel zu wenig zu trinken und zu essen. Außerdem haben ja die Mandeln eine Funktion im Immunsystem (siehe oben), die durch den Seitenstrang nicht vollständig übernommen werden kann. Zwar sind die Fälle selten, in denen fehlende Mandeln die Infektionsanfälligkeit erhöhen, doch es gibt sie.

Ablauf einer Mandel-OP

Die Operation läuft unter Narkose ab. Nach der üblichen OP-Vorbereitung wird der Kopf tiefer gelagert sowie leicht überstreckt. Der Patient trägt im Mund eine Metallvorrichtung, welche die Zunge fixiert. Nun löst der Chirurg mithilfe eines Skalpells die Gaumenmandeln von der Rachenwand. Es sind dabei an der Mandelaußenseite verschiedene Gefäße zu durchtrennen. Dies wäre die klassische Variante. Ein anderes Verfahren ist die Tonsillotomie per „heißer“ Dissektion durch Strom. Zum Einsatz kommen Laser- oder Radiofrequenzgeräte. Die entstehenden Blutungen werden wahlweise durch Nähen oder elektrischen Strom unterbunden. Beim Nähen benutzen Operateure grundsätzlich Fäden, die sich selbst auflösen. Die gesamte OP dauert nur zwischen rund 16 bis 31 Minuten. Die Patienten bleiben danach noch für ein bis zwei Tage im Krankenhaus zur Beobachtung.

Risiken der OP durch mögliche Langzeitfolgen

Ein Beitrag im Fachblatt „JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery“ aus dem Jahr 2018 verweist auf mögliche Langzeitfolgen des Eingriffs. Demnach steigt unter Umständen das Risiko für Erkrankungen der Atemwege vor allem dann, wenn die Rachen- und Gaumenmandeln schon im frühen Kindesalter operativ entfernt werden. Schließlich erfüllen sie dann ihre Funktion der Immunabwehr schon in sehr zeitigen Lebensjahren nicht mehr.

Für die betreffende Studie waren Gesundheitsdaten von 1,2 Millionen jungen Dänen ausgewertet worden (Geburtsjahrgänge 1979 bis 1999). Es stellte sich heraus, dass diejenigen jungen Erwachsenen, denen bis zu ihrem 9. Lebensjahr die Mandeln entfernt worden waren, vor ihrem 30. Lebensjahr einem dreifach erhöhten Risiko von Influenza, Asthma, COPD und Lungenentzündungen ausgesetzt waren. Das Risiko ist besonders hoch bei der Entfernung der Gaumenmandeln, bei der Rachenmandel fällt es etwas geringer aus (~30 %). Das klingt zunächst einmal sehr beunruhigend, doch die beteiligten Forscher gaben gleichzeitig leichte Entwarnung: Zu ihrem Studiendesign hatte nicht die exakte Aufdeckung von Kausalitätsketten für die betreffenden Erkrankungen gehört. Diese können also auch andere Ursachen gehabt haben.

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Teilentfernung der Mandeln

Es ist nicht in jedem Fall nötig, die kompletten Mandeln zu entfernen. Wenn sich nur Teile von diesen entzünden, sollten auch nur diese Teile herausoperiert werden. Das senkt unter anderem das Blutungsrisiko sehr stark. Auch ein Teil der Immunabwehr durch die Mandeln bleibt erhalten. Die Teilentfernung birgt aber ein anderes Risiko: Das entfernte Gewebe wächst manchmal nach und entzündet sich erneut. Auch das verbleibende Restgewebe kann sich noch entzünden. Damit wäre dann eine erneute OP fällig. Aus diesem Grund sollten die Chancen und Risiken einer Mandeloperation mit dem behandelnden Arzt (der Ärztin) umfassend abgesprochen werden.

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