chemotherapie

Krebs gehört zweifellos zu den unangenehmsten Erkrankungen, an die ein Mensch leiden kann – unabhängig davon, um welche Art von Krebs es sich handelt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Krebspatienten zu Mitteln greifen, die den Verlauf einer Chemotherapie an vielen Stellen weniger unangenehm gestalten sollen. Besonders beliebt sind dabei diverse Mittel, die rein auf pflanzliche (natürliche) Art hergestellt wurden. Insgesamt nehmen auf der ganzen Welt fast zwei Drittel aller Krebspatienten neben ihrer Chemotherapie pflanzliche Heilmittel ein.

Viele dieser Patienten halten es jedoch für nicht notwendig, ihren Arzt über diese zusätzliche Selbstmedikation in Kenntnis zu setzen – was tatsächlich gefährliche Folgen haben kann. Denn nur weil ein vermeintliches Heilmittel ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe hat, sind deswegen Nebenwirkungen nicht völlig ausgeschlossen. Und sofern auch die Anwendung dieser Heilpflanzen falsch verlaufen sollte, können diese sogar einen großen Schaden anrichten. Daher sollte man während einer Chemotherapie genau überprüfen, welche pflanzlichen Mittel man zu sich nimmt, und welche nicht. Unter der Vielzahl an verschiedenen Heilpflanzen gibt es einige Exemplare und Varianten, die in Kombination mit einer Chemotherapie von Krebspatienten häufiger konsumiert werden, als andere Mittel dieser Art.

Grapefruitsaft (Citrus paradisi)

Eines der pflanzlichen Mittel, das man während einer Chemotherapie vor dem Konsum genauer betrachten sollte, ist der Grapefruitsaft. Der leicht bittere Saft hat eine besonders hohe Menge an Vitamin C und ist allein darum schon äußerst gesund. Allerdings sind auch Stoffe enthalten, die dafür sorgen, dass ein bestimmtes Leber-Enzym blockiert wird. Dieses Leber-Enzym ist besonders stark an dem Abbau von Medikamenten im Körper beteiligt.

Dies führt dazu, dass die Konzentration (und damit die Wirksamkeit) von Arzneimitteln sich im Blut um ein Vielfaches erhöht. Solch ein Szenario kann äußerst unschöne Nebenwirkungen zur Folge haben. Darüber hinaus wird auch die Wirksamkeit von Arzneimitteln zur Chemo verstärkt. Herz- und Allergie-Präparate haben durch diesen Saft ebenfalls einen stärkeren Effekt. Zahlreiche Ärzte und Experten raten deshalb von dem Konsum von Grapefruitsaft ab, während parallel eine Chemotherapie läuft.

Sonnenhut (Echinacea)

Dies ist eine Heilpflanze, von der keine Gefahr für Chemo-Patienten ausgeht. Sonnenhut bringt das Immunsystem in Schwung, und wird zudem auch präventiv gegen Infektionen eingesetzt. Darum bekommen Krebspatienten auch häufig Extrakte dieser Heilpflanze in Tabletten- oder Tropfenform verschrieben, damit die Abwehrkräfte, die aufgrund der Chemotherapie geschwächt wurden, wieder gestärkt werden.

sonnenhut

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Hierbei handelt es sich um eine Heilpflanze, die in viele Fertigarzneimittel verarbeitet wird. Und das auch in den unterschiedlichsten Formen – ob als Dragees, als Kapseln, als Tabletten, oder als Saft. Aber auch als loses Kraut oder in Teeform wird diese Pflanze häufig konsumiert. Es ist definitiv nachgewiesen, dass Johanneskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilft. Positiv wirken kann diese Pflanze auch bei Wechseljahrsbeschwerden. Johanniskraut steht vor allem bei Brustkrebspatientinnen hoch im Kurs, die mit Antihormonen therapiert werden, um unschöne Nebenwirkungen der Therapie zu lindern.

Während parallel noch eine Chemotherapie läuft, sollte jedenfalls definitiv auf jede Form von Johanniskraut verzichtet werden. Grund dafür ist, dass die Pflanze ein Leber-Enzym stimuliert, was im Körper für einen schnelleren Abbau der Arzneimittel gegen Krebs sorgt. Im Blut wird die Menge der Substanz immer weniger, wodurch das Antikrebspräparat praktisch wirkungslos wird. Sollte zudem auch noch das Mittel „Tamoxifen“ eingenommen werden, so wird auch die Wirkung dieses Mittels durch Johanniskraut spürbar abgeschwächt.

Baldrian (Valeriana officinalis)

Unter den Inhaltsstoffen von Baldrian befinden sich unter anderem auch die sogenannten Valerensäuren. Diesen Säuren wurde eine entspannende und beruhigende Wirkung nachgewiesen. Krebspatienten leiden während einer Chemotherapie nicht selten unter Schlafstörungen und Unruhe. Und sowohl Tabletten, Dragees, als auch Baldrian-Trockenextrakt kann in solchen Fällen bedenkenlos von Chemo-Patienten konsumiert werden.

badriantropfen

Grüner Tee

Ein besonders häufig empfohlenes Mittel gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie ist grüner Tee. Viele Patienten berichten davon, dass sie sich durch den Konsum von grünem Tee um einiges besser fühlen. Tatsächlich kamen jedoch einige Studien zu dem Ergebnis, dass grüner Tee diverse Antikrebsmittel daran hindert, an die Tumorzellen heranzukommen. Damit werden Arzneimittel gegen Krebs durch grünen Tee praktisch weniger wirksam, was wiederum die Nebenwirkungen dieser Arzneimittel abschwächt. Das ist auch der Grund, warum viele Patienten davon berichten, dass grüner Tee gegen diese Nebenwirkungen helfen würde.

Pfefferminze (Mentha piperita)

Pfefferminze ist an vielen Orten dafür bekannt, gegen Verdauungsbeschwerden, Brechreiz und Übelkeit zu helfen. Leider ist Pfefferminze als Medikament in Begleitung einer Chemotherapie nicht geeignet, da es die Wirkung der wichtigen Antikrebsmittel beeinflusst, und darum weder in Öl- und noch Teeform bei einer Krebstherapie konsumiert werden sollte.

Rotklee und Soja

In diesen beiden Pflanzen sind jeweils die Pflanzenstoffe „Lignane“ und „Isoflavone“. Derartige Pflanzenstoffe werden auch als „Phytoöstrogene“ bezeichnet. Die Phytoöstrogene, die sich in Soja und Rotklee befinden, haben im Körper eine ähnliche Wirkung wie Hormone. Aus diesem Grund sind derzeit auch diverse Nahrungsergänzungsmittel beliebt, in denen sich in hohem Ausmaße diese beiden Pflanzenstoffe befinden. Besonders zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden sollen diese Mittel äußerst effektiv sein. Die gleichzeitige Einnahme von „Tamoxifen“ sollte vermieden werden, da es sich dabei um eine antihormonelle Therapie handelt. Auch sollten Brustkrebspatientinnen, deren Tumor empfindlich gegenüber Hormonen ist, ebenfalls auf den Konsum solcher Phytoöstrogene verzichten. Diese Pflanzenstoffe sind nämlich nicht nur nicht hilfreich, sondern können das Wachstum des Tumors sogar noch beschleunigen.

Mistel (Viscum album)

Im Gegensatz zu vielen anderen Exemplaren gehören Mistelextrakte zu den pflanzlichen Arzneimitteln, die zu jedem Zeitpunkt einer Krebstherapie bedenkenlos konsumiert werden können. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass Mistelextrakte sehr gut gegen diverse Nebenwirkungen einer Krebstherapie helfen. Dazu zählen unter anderem Schlafprobleme, Müdigkeit und Erschöpfung. Darüber hinaus wird das Immunsystem gestärkt, was sich alles auf eine bessere Lebensqualität auswirkt. Der Konsum erfolgt so, dass das Extrakt direkt unter die Haut gespritzt wird.

Allgemeine Informationen zur Wirkung von Heilpflanzen

  • In jedem Fall sollten Patienten immer auf den Rat, bzw. auf das Urteil ihres Arztes vertrauen, wenn es um den Konsum derartiger Mittel geht. Besonders dann, wenn zurzeit eine Chemotherapie gemacht wird.
  • Die Menge an nützlichen Wirkstoffen in pflanzlichen Arzneimitteln hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Unter anderem von der Herkunft der Pflanzen, und der Art und Weise, wie sie angebaut und währenddessen behandelt wurden. Vor allem die Art der Verarbeitung (zum Beispiel als frische Blüten, Teile von Wurzeln, oder getrocknete Blätter) ist für die Menge an enthaltenen Wirkstoffen entscheidend. Darüber hinaus besteht noch die Schwierigkeit, dass die letztendliche Dosierung (und damit die Wirkung) für den Endverbraucher nicht immer völlig klar ist. Sowohl in Drogeriemärkten, als auch in Apotheken gibt es solche pflanzlichen Mittel in geringen und hohen Dosierungen. Weitere Gründe, warum vor dem Konsum solcher Heilpflanzen bei einer Chemotherapie immer ein Experte zurate gezogen werden sollte.
  • Arzneimittel dieser Art über das Internet zu erwerben, ist immer mit einem erhöhten Risiko verbunden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Ausland oft wesentlich weniger strenge Qualitätskontrollen für solche Mittel durchgeführt werden, als in Deutschland. Aus diesem Grund könnten Konsumenten ausländischer Heilpflanzen-Präparate durch Verunreinigungen oder Schadstoffen gesundheitlich belastet werden.
Chemotherapie-behandlung

Fazit

Obwohl beinahe zwei Drittel aller Krebspatienten zu pflanzlichen Arzneimitteln greifen, um den Nebenwirkungen der Krebstherapie entgegenzuwirken, ist dies bei sehr vielen gebräuchlichen Mitteln dieser Art nicht wirklich empfehlenswert. Es gibt zwar einige Heilpflanzen-Extrakte, die bedenkenlos während einer Krebstherapie konsumiert werden können – allerdings gibt es auch nicht wenige, die sich alles andere als positiv auf den Prozess der Besserung auswirken. In jedem Fall sollten Patienten (unabhängig ihrer Krebsart und Therapie) immer vor der Einnahme solcher Mittel den Rat eines Arztes oder Apothekers einholen.

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