iatrogene-Krankheit

Was wird unter iatrogenen Erkrankungen verstanden?

Unter iatrogenen Krankheiten oder Wunden werden unerwünschte gesundheitliche Beeinträchtigungen verstanden, die auf eine medizinische Behandlung zurückgehen. Verursacht werden sie zumeist durch die Gabe von Medikamenten oder Fehler im Rahmen von Untersuchungen.

Was bedeutet Iatrogen?

Der Begriff iatrogen stammt aus dem Griechischen. In deutscher Übersetzung bedeutet er so viel wie „durch den Arzt entstanden“. Zur Anwendung kommt die Bezeichnung „iatrogen“, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen durch ärztliche Interventionen aufgrund der Gabe von Arzneimitteln oder bei einem chirurgischen Eingriff entstehen.

Durch iatrogene Erkrankungen oder Wunden besteht die Gefahr von neuen Erkrankungen oder einer höheren Sterblichkeit (Mortalität). Aber auch die Heilung kann iatrogen sein, wenn sie auf ärztliches Handeln zurückgeht.

Aus welchen Gründen kommt es zu iatrogenen Störungen?

Eine Studie aus Portugal aus dem Jahr 2007 ergab als häufigste Ursachen für iatrogene Störungen, dass bei 60 Prozent aller betroffenen Personen die Gabe von Medikamenten der Grund für die Erkrankung war. Weitere 26 Prozent entstanden durch technische Fehler oder Komplikationen im Rahmen von invasiven Untersuchungen.

Ebenso sind in der Psychologie iatrogene Störungen möglich. So kann es durch eine psychologische Diagnose oder Begutachtung zu einer Verschlimmerung oder Ausprägung von psychischen Beeinträchtigungen kommen.

Der Begriff Iatrogen sagt nichts darüber aus, ob eine iatrogene Erkrankung oder Störung nach Kenntnissen der Medizin vermeidbar gewesen wäre oder nicht.

iatrogene-Stoerungen

Risiko Medikamente

Durch die Gabe von Medikamenten, die der Arzt verordnet, sind Interaktionen der Arzneimittel im Bereich des Möglichen. Handelt es sich um eine komplexe Darreichung von Medikamenten, lassen sich solcherlei Interaktionen nicht bei jedem Patienten vorhersehen. Je mehr Arzneimittel ein Patient zu sich nehmen muss, umso mehr steigt auch die Gefahr für Interaktionen.

Ebenfalls zu den Gefahrenquellen für iatrogene Störungen zählen Fehler bei der Dosierung. Es sind sowohl Überdosen als auch Unterdosierungen denkbar. Als Folgen davon kommen eine reduzierte Wirkung der Mittel sowie Arzneimittelvergiftungen (Intoxikationen) infrage.

In manchen Fällen können auch Fehler bei der Verabreichung oder fehlerhafte therapeutische Indikationen zu iatrogenen Störungen führen.

Risiken durch technische Fehler

Iatrogene Erkrankungen werden in zahlreichen Fällen auch durch technische Fehler verursacht. Dazu zählen in erster Linie:

  • Katheterinfektionen
  • fehlerhafte Diagnosen
  • operative Eingriffe
  • Druckgeschwüre durch Wundliegen
  • das Anlegen von Blasenkathetern
  • Diätfehler

Beispiele für iatrogene Erkrankungen

Ein typisches Beispiel für eine iatrogene Erkrankung ist der Pneumothorax. Er entsteht, wenn ein Gefäßkatheter in die Schlüsselbeinvene (Vena subclavia) angelegt wird. Als weiteres typisches Problem gilt die Abhängigkeit von Medikamenten. Dazu zählen vor allem psychotrope Arzneimittel.

Pneumothorax

Ein anderes Beispiel ist das iatrogene Cushing-Syndrom. Dabei wird das Syndrom durch eine fortwährende Glukokortikoid-Therapie hervorgerufen.

Eine iatrogen indizierte Pseudohyperkaliämie entsteht durch Hämolyse, weil die Venen beim Abnehmen von Blut zu lange gestaut wurden.

Iatrogene Komplikationen und die Wundheilung

Von einer iatrogenen Wunde ist die Rede, wenn sie durch eine ärztliche Intervention eintritt. Sie kann bewusst von einem Mediziner gesetzt werden, um damit eine Diagnose zu stellen oder eine Behandlung durchzuführen. Typische Beispiele dafür sind Operationen. Des Weiteren zählen Inzisionen, das Entnehmen von Gewebe oder Therapien mithilfe eines Lasers zu den iatrogenen Wunden.

In den meisten Fällen stellen die iatrogenen Wunden kein Problem dar. Sie verheilen bereits nach ein paar Tagen und verursachen keine Probleme. Gesetzt werden die iatrogenen Wunden unter sterilen medizinischen Voraussetzungen sowie unter Kontrolle des behandelnden Arztes.

Verschiedene Arten von iatrogenen Wunden

Abgesehen von iatrogenen Wunden durch einen chirurgischen Eingriff gibt es noch weitere iatrogene Wunden aufgrund anderer medizinischer Maßnahmen. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Inzision handeln, in deren Rahmen ein Abszess geöffnet wird, um das Leiden zu behandeln. Weitere Gründe für iatrogene Wunden sind:

Punktionen

Bei einer medizinischen Punktion wird eine Kanüle in einen Hohlraum des Körpers, ein Organ oder ein Blutgefäß eingestochen. Das Infektionsrisiko fällt eher niedrig aus, weil sich dabei nur kleine Wunden bilden. Um iatrogene Komplikationen zu vermeiden, sollte die Punktionsstelle mit einer keimfreien Wundauflage abgedeckt werden.

Operationswunden

In den meisten Fällen entsteht bei einer OP eine akute mechanische Verletzung wie eine Schnittwunde, die ein Chirurg mit einem Skalpell vornimmt. Die Wundränder positioniert der Operateur derart, dass ihr glattes Beieinanderliegen ermöglicht wird, wodurch sie ohne Komplikationen abheilen können. Dabei findet die Wundheilung primär statt und es bildet sich eine wenig auffällige Narbe. Zum OP-Ende wird die Wunde für 2 bis 3 Tage mit einem Wundschnellverband steril geschützt.

Spalthautentfernung

Bei Spalthaut handelt es sich um ein freies Hauttransplantat. Es setzt sich aus oberer Dermisschicht und Epidermis zusammen. Zur Anwendung gelangt das Spalthaustransplantat, um tiefe und ausgeprägte Wunden zu behandeln. Bei den Wundheilungsfähigkeiten der Haut bestehen aufgrund von Verletzungen Einschränkungen. Die Entnahmestelle der Spalthaut stellt eine sterile Primärwunde dar. Wie im Falle einer Schürfwunde kommt es zu einer dermalen Regeneration. Die Heilung der Wunde nimmt ungefähr zwei bis drei Wochen in Anspruch.

Amputationen von Gliedmaßen

Ebenfalls zu den iatrogenen Wunden zählen Amputationen von Körperteilen. Sie werden aus medizinischen Gründen abgetrennt. Danach können für den Rest des Lebens Nachsorgebehandlungen erforderlich sein.

Zur Versorgung von iatrogenen Wunden werden keimfreie Verbände oder Wundauflagen benötigt. Dadurch lässt sich einer Infektion mit Krankheitserregern entgegenwirken. Durch einen primären Wundverschluss können sie meist ohne Komplikationen nach relativ kurzer Zeit abheilen.

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