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Seit dem Ausbruch der Krise haben psychische Probleme deutlich zugenommen. Einige Menschen waren durch die Krise zum ersten Mal betroffen, bei anderen haben sich bestehende Probleme verstärkt.

Die Chronik einer Krise

In Deutschland wurde am 27. Januar 2020 der erste Fall einer SARS-CoV-2-Infektion registriert.
Das war der Beginn der Coronakrise in Deutschland und einer Virus-Pandemie, wie sie die Welt seit dem Ausbruch der Spanischen Grippe im Jahr 1918 nicht mehr erlebt hat.

Es gab drei Infektionswellen und die vierte dauert momentan an.

Die Krise brachte drastische Veränderungen mit sich. Vor allem jüngere Menschen, die ihre Freiheit gewohnt waren, erlebten plötzlich massive Einschränkungen. Ältere Menschen, die den Krieg oder die Nachkriegszeit noch erlebt haben, sahen sich plötzlich Szenen und Bedrohungen ausgesetzt, die sie aus einer Vergangenheit mit Knappheit und Not kannten.

Belastungen für die Menschen durch Covid

Viele der schlimmsten Befürchtungen und Prognosen sind zum Glück nicht eingetreten. Doch durch bedrückende Berichterstattungen im Fernsehen und Horrorprognosen hat sich in viele Bürger ein Bild des Desasters und Weltuntergangsstimmung festgesetzt.

Die ständigen Änderungen bezüglich der Ausgangsregelungen und die unsichere wirtschaftliche Zukunft sind für die Bürger zu einem Druck geworden. In sowieso schon unsicheren Zeiten scheint nichts mehr verlässlich zu sein.

Welche psychischen Auswirkungen gab es durch die Coronakrise?
Viele Menschen haben den Ausbruch eines tödlichen Virus im eigenen Land gar nicht für möglich gehalten.

Die Bundesbürger sind trotz aller politischer und sozialer Tumulte ihre Sicherheit gewöhnt. Die Qualität des Soziallebens, die Freiheiten und Möglichkeiten haben in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen.

Plötzlich gab es Einschränkungen, die niemand für möglich gehalten hätte.

Als der deutschlandweite Ausbruch sicher war und die Fallzahlen zunahmen, stieg die Angst vor einer Ansteckung vor allem bei älteren Menschen und Personen mit einer bedrohlichen Vorerkrankung.

Schon während des ersten Lockdowns vom 22. März 2020 bis 4. Mai 2020 waren die Medien voll von Berichterstattungen über die zu erwartende weltweite Wirtschaftskrise, was weitere Ängste schürte.
Arbeitnehmer fürchteten zunehmend um ihre Arbeitsplätze und finanzielle Zukunft.

Durch den zweiten Lockdown im Winter 2020 auf 2021 wurden diese Befürchtungen noch weiter verstärkt.

Die Lockerungen im Sommer und die Möglichkeit des Impfschutzes haben neue Zuversicht gebracht.
Doch die Fallzahlen nehmen wieder zu.

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Welchen Einfluss hat der Lagerkoller durch den Lockdown?

Der Lockdown war für viele Menschen eine harte und prägende Erfahrung. Plötzlich auf sich selbst gestellt und mit Ängsten konfrontiert, verharrten Singles, Paare und Familien in ihren Wohnungen aus.

Paare gerieten durch die Enge in Krisen, nicht wenige trennten sich. In Familien war der Druck häufig besonders groß. Viele Familien hatten nicht nur mit dem Zusammengepfercht-Sein, sondern auch mit der drohenden materiellen Not zu kämpfen.

Dass Menschen sich anders verhalten, wenn sie auf engem Raum leben müssen, ist der Welt der Wissenschaft und Psychologie schon lange bekannt: Isolation und Enge erzeugen Stress.

Es gab zahlreiche Studien und Versuche, bei denen sich immer wieder diese Probleme zeigten:

• Langeweile
• eine Zunahme der negativen Gedanken und Emotionen
• verbale, emotionale und körperliche Übergriffigkeiten
• Aggression
• zunehmendes Dominanzverhalten bestimmter Persönlichkeiten
• psychische Leiden und Ängste bei schwächeren Persönlichkeiten.

Psychische Krankheiten und Corona

In unserer stressbeladenen Gesellschaft haben psychische Erkrankungen über die letzten Jahrzehnte sprunghaft zugenommen.

Die häufigsten psychischen Leiden sind:

• Depressionen
• Angststörungen
• Zwangsneurosen.

Wer bereits vor dem Ausbruch der Krise betroffen war, konnte eine Zunahme der Beschwerden beobachten. Durch die Einschränkungen und Ängste-fördernden Berichterstattungen im Fernsehen haben die Leiden weiter zugenommen.

Depressionen zeigen sich in verschiedenen Formen. Die einen leiden ständig, bei anderen bricht die Krankheit nur unter bestimmten Umständen auf. Insbesondere die Menschen, die eigentlich nicht die ganze Zeit unter einer schweren Depression litten, konnten bei sich eine Zunahme der Beschwerden durch die Krise beobachten.

Angststörungen in Zusammenhang mit der Krise sind:

• die Angst, sich selbst anzustecken und zu sterben
• Ängste vor Krankheitserregern
• Ängste vor Mitmenschen und deren Körpern (als Ansteckungsquelle)
• Panikattacken (Zukunftsängste, Todesängste)
• Angst und Abscheu vor Einrichtungen des Gesundheitswesens
• Zunahme der Hypochondrie (selbst kleine Symptome werden sofort als COVID-Infektion gewertet)
• Angst vor Pleite, Insolvenz, sozialem Abstieg und totalem Verlust
• Wahnvorstellungen, der Virus sei überall oder in der eigenen Wohnung, an Kleidern usw.

Insbesondere bei Senioren und sozial isolierten Menschen kommen starke Gefühle der Hilflosigkeit und Einsamkeit vor. Das führt zu einer anhaltenden Traurigkeit und infolge zu weiteren Problemen körperlicher oder psychischer Art.

Bei den Senioren stellten sich durch die Angstmacherei bezüglich geplünderter Supermärkte und dem Zusammenbruch des gesamten Versorgungssystems Ängste ein, die sie aus dem Krieg oder der Nachkriegszeit kannten. Viele ältere Menschen haben diese Erinnerungen in sich weggeschlossen. Durch die Krise wurden sie wieder geweckt.

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Nicht zuletzt haben durch die Pandemie auch Zwangsneurosen zugenommen:

• übertriebenes und ständiges Händewaschen und Desinfizieren
• Putzwahn in der Wohnung
• das ständige Durchführen von Covid-Selbsttests
• ständiges Überprüfen der neuesten Nachrichten, der Fallzahlen und Entwicklungen.

Beobachtungen haben gezeigt, dass diejenigen Menschen mit der Pandemie am besten zurechtkamen, die sich selbst treu geblieben sind, Kreativität gezeigt haben und sich nicht allzu sehr von der Berichterstattung beeinflussen ließen.

Gerade die Menschen, die nur leichte Störungen bei sich beobachten konnten, können während der vierten Welle von diesen Tipps profitieren:

• Nur ab und zu die neuesten Meldungen und Nachrichten anschauen.
• Fakten von Prognosen und Vermutungen trennen!
• Hobbys ausüben oder sich ein neues Hobby zulegen.
• Die Möglichkeiten und Lücken nutzen, die vorhanden sind.
• Den Umgang mit negativen Menschen und Weltuntergangsfanatikern meiden.

Das Schlimmste, das Menschen, die unter einer Corona-bedingten psychischen Störung leiden, tun können, ist sich zu isolieren, die Angst zu unterdrücken oder sogar zu verleumden.

Betroffene sollte sich nicht scheuen, Therapieangebote zu nutzen. Selbst für die einsamsten und isoliertesten Menschen gibt es selbst während eines Lockdowns Online-Kontakt- und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Gespräche mit Gleichgesinnten und verständnisvollen Menschen helfen, das seelische Gleichgewichtwiedere herzustellen.

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