Polymastie und dritte Brustwarze: Diagnose und Entfernung
Eine dritte Brustwarze ist meist eine harmlose angeborene Besonderheit. Der kleine Hautbefund kann wie ein Muttermal wirken und wird deshalb mitunter erst im Jugend- oder Erwachsenenalter richtig eingeordnet. Hinter einer sichtbaren zusätzlichen Brustwarze muss jedoch nicht zwingend zusätzliches Brustdrüsengewebe liegen. Umgekehrt kann in der Achselhöhle oder an einer anderen Stelle Drüsengewebe vorhanden sein, ohne dass außen eine weitere Brustwarze erkennbar ist. Für die medizinische Einordnung sind deshalb zwei Begriffe wichtig: Polythelie bezeichnet zusätzliche Brustwarzen, Polymastie zusätzlich angelegtes Brustdrüsengewebe.
Diese Unterscheidung erklärt, weshalb Beschwerden sehr unterschiedlich ausfallen. Eine isolierte Polythelie bleibt häufig unverändert und verursacht weder Schmerzen noch eine Funktionsstörung. Zusätzliches Drüsengewebe kann dagegen auf hormonelle Veränderungen reagieren. Es kann während der Pubertät, vor der Monatsblutung, in der Schwangerschaft oder Stillzeit anschwellen und empfindlich werden. Besonders häufig fällt solches Gewebe in der Achsel auf, wo es leicht mit einem Lipom, einem vergrößerten Lymphknoten, einer Zyste oder einer Ausziehung der normalen Brust verwechselt werden kann.
Eine pauschale Entfernung ist nicht erforderlich. Entscheidend sind Beschwerden, Lage, Befundentwicklung und diagnostische Sicherheit. Neu entstandene Knoten, rasches Wachstum, eine Einziehung der Haut, blutige Flüssigkeit, anhaltende einseitige Schmerzen oder eine auffällige Verhärtung gehören ärztlich abgeklärt. Das gilt auch deshalb, weil echtes zusätzliches Brustdrüsengewebe grundsätzlich dieselben gutartigen und selten auch bösartigen Veränderungen entwickeln kann wie regulär gelegenes Brustgewebe. Dieser Satz bedeutet nicht, dass jede dritte Brustwarze ein erhöhtes Krebsrisiko darstellt.
Der folgende Überblick erklärt die embryonale Entstehung, die Unterschiede zwischen Polymastie und Polythelie, den Ablauf der Diagnostik und die Gründe für oder gegen eine Operation. Er berücksichtigt außerdem die umstrittene Frage nach begleitenden Fehlbildungen und ordnet ein, wann eine Beobachtung genügt und wann zeitnah medizinische Hilfe nötig ist.
Polymastie, Polythelie und akzessorisches Brustgewebe
Brustdrüsen entstehen früh in der Embryonalentwicklung entlang beider Milchleisten. Diese verlaufen vereinfacht von der Achselregion über den Brustkorb in Richtung Leiste. Der größte Teil dieser Anlagen bildet sich normalerweise zurück; das Gewebe im Bereich der späteren Brüste bleibt bestehen. Bleiben weitere Anteile erhalten, können zusätzliche Brustwarzen, Warzenhöfe oder Drüseninseln entstehen. Solche Anlagen liegen meistens entlang der ehemaligen Milchleiste, kommen aber gelegentlich auch außerhalb dieses Verlaufs vor.
Polythelie: die zusätzliche Brustwarze
Bei einer Polythelie ist mindestens eine zusätzliche Brustwarze vorhanden. Die zusätzliche Anlage kann vollständig ausgebildet sein oder nur als wenige Millimeter großer, leicht pigmentierter Hautbezirk erscheinen. Ein kleiner zentraler Punkt oder eine feine Einziehung kann die Abgrenzung zu einem Pigmentmal erleichtern. Eine sichere Selbstdiagnose ist daraus dennoch nicht möglich. Die 2025 veröffentlichte klinisch-pathologische Untersuchung von 131 als Polythelie eingeordneten Veränderungen zeigte, dass zahlreiche vermeintliche zusätzliche Brustwarzen histologisch andere gutartige Hautveränderungen waren. Die Studie in PubMed unterstreicht damit den Wert einer fachlichen Untersuchung, wenn der Befund unklar ist oder sich verändert.
Polymastie: zusätzliches Brustdrüsengewebe
Polymastie beschreibt zusätzliches Brustdrüsengewebe. Es kann mit Brustwarze und Warzenhof verbunden sein, aber auch als unscheinbare Gewebeinsel ohne sichtbare Brustwarze vorkommen. In der Achsel wird dafür häufig die Bezeichnung akzessorisches axilläres Brustgewebe verwendet. Das Gewebe kann weich und kaum abgrenzbar wirken oder sich als deutliche Vorwölbung zeigen. Bei Männern und Jungen muss eine axilläre oder brustnahe Schwellung ebenfalls differenziert betrachtet werden; eine Vergrößerung der regulären männlichen Brust wird als Gynäkomastie bezeichnet. Eine ausführliche Einordnung dazu bietet der Beitrag über Ursachen und Behandlung der Gynäkomastie.
Woran zusätzliches Brustgewebe auffallen kann
Eine isolierte zusätzliche Brustwarze bleibt oft lebenslang beschwerdefrei. Der Befund wird häufig zufällig bei einer Hautuntersuchung, im Rahmen einer Schwangerschaft oder bei der Abklärung eines anderen Befundes bemerkt. Eine Polymastie kann ebenfalls lange unauffällig sein. Drüsengewebe reagiert jedoch auf hormonelle Reize. Deshalb berichten manche Betroffene über zyklusabhängige Spannung, eine vorübergehende Größenzunahme, Druck durch Kleidung oder Beschwerden bei Armbewegungen.
Während einer Schwangerschaft und Stillzeit kann zuvor kaum sichtbares Gewebe deutlicher hervortreten. In seltenen Fällen kann aus einer zusätzlichen Brustwarze Sekret oder Milch austreten. Das ist bei tatsächlich vorhandenem und an Milchgänge angeschlossenem Drüsengewebe biologisch erklärbar, sollte bei neuem Auftreten aber ärztlich beurteilt werden. Blutiges oder einseitig klares Sekret ist unabhängig von einer Schwangerschaft ein Warnzeichen.
Beschwerden in der Achsel sind nicht automatisch Polymastie. Vergrößerte Lymphknoten nach Infekten oder Impfungen, entzündete Schweißdrüsen, Zysten, Lipome und Veränderungen der normalen Brust können ähnlich wirken. Auch eine schmerzhafte Rötung mit Fieber verlangt eine zeitnahe Untersuchung, weil eine Entzündung oder ein Abszess dahinterstehen kann. Bei starkem Krankheitsgefühl, rasch zunehmender Rötung oder Kreislaufproblemen ist eine dringliche medizinische Bewertung angezeigt.
Diagnose: Untersuchung und Bildgebung
Am Anfang stehen Krankengeschichte und körperliche Untersuchung. Hilfreich sind Angaben darüber, seit wann der Befund besteht, ob er sich mit Zyklus, Schwangerschaft oder Stillzeit verändert und ob Schmerzen, Sekretion oder Entzündungen aufgetreten sind. Bei einer zusätzlichen Brustwarze werden Lage, Form, Pigmentierung und mögliche Veränderungen dokumentiert. Eine Schwellung wird auf Größe, Beweglichkeit, Konsistenz, Druckschmerz und Beziehung zur normalen Brust untersucht.
Ultraschall ist besonders bei jüngeren Menschen und bei oberflächlichen Veränderungen eine wichtige Methode. Er kann zeigen, ob ein Areal die typische Struktur von Drüsengewebe besitzt und ob ein umschriebener Knoten, eine Zyste oder ein Lymphknoten vorliegt. Die radiologische Übersichtsarbeit zu Brustveränderungen bei Kindern und Jugendlichen nennt Sonografie als bevorzugte Bildgebung, weil sie ohne ionisierende Strahlung auskommt; auffällige Bildmerkmale oder Wachstum können weitere Schritte begründen. Der vollständige Fachartikel zur pädiatrischen Brustdiagnostik erschien 2018 und ist weiterhin als Grundlagenübersicht verfügbar.

Bei Erwachsenen richtet sich die weitere Bildgebung nach Alter, Beschwerden und Befund. Mammografie oder Magnetresonanztomografie kommen nicht automatisch zum Einsatz, können aber bei unklaren, tiefen oder auffälligen Veränderungen sinnvoll sein. Ein Problem in der Achsel besteht darin, dass zusätzliches Gewebe nicht immer vollständig im üblichen Mammografieausschnitt liegt. Daher sollte eine bekannte axilläre Veränderung bei einer Untersuchung ausdrücklich genannt werden.
Eine Gewebeprobe oder vollständige Entfernung zur feingeweblichen Untersuchung ist angezeigt, wenn Bildgebung und Untersuchung keine verlässliche Einordnung erlauben oder wenn verdächtige Merkmale bestehen. Eine aktuelle Untersuchung aus dem Jahr 2025 fand in Polythelie selbst keine Tumoren, beschrieb jedoch einen Fall einer Vorstufe in darunterliegender Polymastie. Daraus folgt weder ein Grund zur vorsorglichen Entfernung jeder dritten Brustwarze noch eine Entwarnung für jeden neu entstandenen Knoten. Entscheidend bleibt die konkrete Veränderung.
Welche Beschwerden und Erkrankungen möglich sind
Eine echte Polymastie besteht aus Brustgewebe und kann deshalb dieselben physiologischen Reaktionen und viele derselben Erkrankungen zeigen wie die reguläre Brust. Dazu gehören zyklusabhängige Schmerzen, gutartige Knoten, Zysten, Entzündungen und Veränderungen während der Stillzeit. Bösartige Erkrankungen im zusätzlichen Gewebe sind möglich, bleiben aber selten. Die 2024 veröffentlichte Arbeit „Accessory breast tissue – A matter for exigence“ beschreibt Diagnostik und Behandlung bei 52 Frauen, ist wegen des kleinen, klinisch ausgewählten Kollektivs jedoch keine Grundlage für eine allgemeine Risikoabschätzung.
Im mittleren Teil der medizinischen Einordnung ist die genaue Begrifflichkeit besonders wichtig: Polymastie bezeichnet Drüsengewebe, Polythelie die zusätzliche Brustwarze. Ein kleiner Hautbefund ohne darunterliegendes Drüsengewebe wird nicht allein dadurch zu einer zusätzlichen Brust. Ebenso kann eine achselständige Drüseninsel ohne sichtbare Brustwarze vorhanden sein. Diese Trennung verhindert unnötige Sorge und lenkt die Diagnostik auf die tatsächlich betroffene Struktur.
Unverändert bestehende, weiche und bereits abgeklärte Befunde können häufig beobachtet werden. Dokumentation von Lage und Größe erleichtert spätere Vergleiche. Eine Selbstkontrolle ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, neue Veränderungen zu bemerken. Dringlicher wird die Abklärung bei einem neuen harten Knoten, raschem Wachstum, Einziehung oder Verdickung der Haut, wundem Gewebe ohne Heilung, blutiger Absonderung, fixierter Verhärtung, neu tastbaren Lymphknoten oder anhaltender einseitiger Schwellung.
Begleitfehlbildungen: Was zur Niere bekannt ist
Ältere Veröffentlichungen beschrieben eine Verbindung zwischen zusätzlichen Brustwarzen und Fehlbildungen der Nieren oder Harnwege. Diese Annahme ist nicht einheitlich bestätigt. Die Literatur umfasst kleine Kollektive, unterschiedlich ausgewählte Patientengruppen und widersprüchliche Ergebnisse. Eine ältere PubMed-Studie kam bereits 1987 zu dem Schluss, dass eine isolierte zusätzliche Brustwarze bei einem ansonsten unauffälligen Menschen allein keine zusätzliche Untersuchung der Harnwege begründet. Der Originalabstract zur Nierenfrage macht zugleich deutlich, dass weitere angeborene Auffälligkeiten die ärztliche Entscheidung verändern können.
Für die Praxis bedeutet das: Eine dritte Brustwarze ist kein automatischer Beweis für eine Nierenfehlbildung. Eine pauschale Ultraschalluntersuchung der Nieren lässt sich aus einer isolierten Polythelie nicht ableiten. Bei weiteren angeborenen Veränderungen, einer familiären Häufung, wiederkehrenden Harnwegsproblemen oder auffälligen Befunden kann eine kinderärztliche, humangenetische oder urologische Einordnung sinnvoll sein. Das Vorgehen wird dann aus dem Gesamtbild abgeleitet, nicht aus dem Hautmerkmal allein.
Wann eine Entfernung infrage kommt
Beschwerdefreie, sicher diagnostizierte Veränderungen müssen nicht operiert werden. Die aktualisierte MedlinePlus-Seite vom 2. Januar 2026 beschreibt zusätzliche Brustwarzen als meist nicht behandlungsbedürftig und weist darauf hin, dass eine operative Entfernung bei entsprechendem Wunsch möglich ist. Die Patienteninformation der US National Library of Medicine bezieht sich dabei vor allem auf Polythelie und darf nicht mit einer Therapieempfehlung für jedes zusätzliche Drüsengewebe gleichgesetzt werden.
Medizinische Gründe
Eine Entfernung kann erwogen werden, wenn wiederkehrende Schmerzen, starke zyklische Schwellungen, Entzündungen, Sekretion, Einschränkungen bei Armbewegungen oder dauernder Druck durch Kleidung bestehen. Auch ein unklarer oder auffälliger Knoten kann eine operative Abklärung notwendig machen. Bei Kindern und Jugendlichen wird besonders zurückhaltend entschieden, weil Eingriffe das sich entwickelnde Brustgewebe beeinträchtigen können. Die Kinder- und Jugendgynäkologie des Universitätsklinikums Erlangen nennt Beschwerden als zentralen Grund für eine Entfernung.
Kosmetische und psychosoziale Gründe
Eine deutlich sichtbare zusätzliche Brustwarze oder axilläre Vorwölbung kann beim Sport, in enger Kleidung, in intimen Situationen oder beim eigenen Körperbild belasten. Ein kosmetischer Wunsch ist legitim, sollte aber gegen Narbe, mögliche Formunregelmäßigkeiten, Sensibilitätsstörungen und allgemeine Operationsrisiken abgewogen werden. Vor einer Entscheidung muss geklärt sein, ob nur Haut und Brustwarze oder auch Drüsengewebe entfernt werden sollen. Bei umfangreicherem Gewebe ähneln einzelne Fragen der Planung denen anderer brustchirurgischer Eingriffe; der Beitrag zur Brustverkleinerung und Nachsorge erläutert verwandte Grundgedanken, ersetzt aber keine individuelle Operationsplanung.
Wie die Operation ablaufen kann
Eine kleine isolierte Brustwarze kann meist mit einer örtlichen Betäubung entfernt werden. Der Hautverschluss wird so geplant, dass eine möglichst unauffällige Narbe entsteht. Bei größerem Drüsengewebe in der Achsel ist der Eingriff aufwendiger. Je nach Ausdehnung kommen direkte Exzision, eine Kombination mit Fettabsaugung oder andere plastisch-chirurgische Techniken infrage. Fettabsaugung allein entfernt Drüsengewebe nicht immer vollständig, weil es fester als Fettgewebe sein kann.
Vor dem Eingriff sollten Lage und Ausdehnung bildgebend geklärt sein. Außerdem ist zu besprechen, ob eine histologische Untersuchung vorgesehen ist; bei entferntem Drüsengewebe oder unklarem Befund ist sie medizinisch wichtig. Mögliche Folgen sind Bluterguss, Nachblutung, Infektion, Flüssigkeitsansammlung, Wundheilungsstörung, sichtbare Narbe, Taubheitsgefühl, Asymmetrie oder verbleibendes Gewebe. Große Eingriffe in der Achsel können vorübergehend die Armbewegung beeinträchtigen.
Nach der Operation richten sich Verband, Schonung und Nachkontrolle nach dem Umfang. Eine frische Wunde braucht zunächst Schutz; später können Sonnenschutz und abgestimmte Pflege die Narbenreifung unterstützen. Der Beitrag zur Narbenpflege nach medizinischen Eingriffen bietet ergänzende Hinweise. Bei zunehmender Rötung, Fieber, stärker werdenden Schmerzen, eitrigem Sekret, deutlicher Schwellung oder Atemnot ist zeitnah ärztliche Hilfe erforderlich.
Beobachtung und Kontrollen im Alltag
Bei einem bestätigten, beschwerdefreien Befund reicht häufig die Einbeziehung in die normale medizinische Betreuung. Zusätzliches Drüsengewebe sollte bei Brustuntersuchungen erwähnt werden, besonders wenn es in der Achsel liegt. Dadurch kann die Region gezielt untersucht und bei Bedarf in die Bildgebung einbezogen werden. Nach einer Schwangerschaft oder Stillzeit kann sich die Größe wieder verringern; eine Entscheidung über eine kosmetische Operation wird daher oft erst nach dem Abklingen hormonbedingter Veränderungen getroffen.
Fotos für den privaten Verlauf können Veränderungen sichtbar machen, dürfen aber keine professionelle Untersuchung ersetzen. Tastbare Befunde sollten nicht wiederholt stark gedrückt oder ausgedrückt werden. Bei Kindern ist eine ruhige, wertfreie Erklärung sinnvoll. Die Besonderheit ist angeboren und weder Folge falscher Pflege noch ansteckend. Eine vorschnelle Operation vor Abschluss der körperlichen Entwicklung ist ohne medizinischen Anlass meist nicht angezeigt.
Häufige Fragen zu Polymastie und dritter Brustwarze
Die folgenden Antworten fassen häufige Unsicherheiten zusammen. Diese Zusammenfassung ersetzt keine Untersuchung eines neuen, schmerzhaften oder veränderten Befunds.
Ist eine dritte Brustwarze gefährlich?
Meist ist eine isolierte dritte Brustwarze gutartig und bleibt unverändert. Gefährlich ist nicht das Merkmal an sich. Neu auftretende Verhärtungen, Wachstum, Blutung, Sekretion, Hautveränderungen oder anhaltende Schmerzen benötigen jedoch eine Untersuchung, weil auch andere Haut- oder Brustveränderungen ähnlich aussehen können.
Was ist der Unterschied zwischen Polymastie und Polythelie?
Polythelie bedeutet, dass eine zusätzliche Brustwarze vorhanden ist. Polymastie bezeichnet zusätzliches Brustdrüsengewebe. Beides kann zusammen vorkommen, muss es aber nicht. Unter einer kleinen zusätzlichen Brustwarze kann Drüsengewebe liegen, während axilläres Drüsengewebe auch ohne sichtbare Brustwarze auftreten kann.
Kann zusätzliches Brustgewebe Milch bilden?
Wenn funktionelles Drüsengewebe und entsprechende Ausführungsgänge vorhanden sind, kann es während der Stillzeit anschwellen und in einzelnen Fällen Milch bilden oder absondern. Neue, blutige, eitrige oder außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit auftretende Sekretion sollte ärztlich abgeklärt werden.
Muss bei einer dritten Brustwarze die Niere untersucht werden?
Bei einer isolierten zusätzlichen Brustwarze ohne weitere Auffälligkeiten wird eine routinemäßige Nierendiagnostik durch die widersprüchliche Studienlage nicht allgemein begründet. Weitere angeborene Merkmale, Harnwegsbeschwerden oder eine passende Familiengeschichte können eine gezielte Untersuchung rechtfertigen. Die Entscheidung trifft die behandelnde Praxis anhand des Gesamtbilds.
Übernimmt die Krankenkasse die Entfernung?
Eine Kostenübernahme hängt von medizinischer Notwendigkeit, Befund, Versicherung und vorheriger Genehmigung ab. Bei wiederkehrenden Entzündungen, Schmerzen oder diagnostischer Unsicherheit ist die Ausgangslage anders als bei einer ausschließlich kosmetischen Entfernung. Eine verbindliche Zusage kann nur der jeweilige Kostenträger nach Prüfung der Unterlagen geben.
Kann Polymastie nach einer Operation wiederkommen?
Vollständig entferntes Drüsengewebe wächst gewöhnlich nicht neu. Verbleibende kleine Gewebeanteile können unter hormonellem Einfluss jedoch erneut anschwellen und auffallen. Eine genaue präoperative Darstellung und eine zum Befund passende Technik senken das Risiko eines störenden Restbefunds, können ein perfektes kosmetisches Ergebnis aber nicht garantieren.
Fazit: Befund richtig benennen und gezielt abklären
Eine dritte Brustwarze und zusätzliches Brustdrüsengewebe sind angeborene Varianten der Brustentwicklung. Polythelie bezeichnet die zusätzliche Brustwarze, Polymastie das zusätzliche Drüsengewebe. Diese klare Trennung ist mehr als eine sprachliche Feinheit: Aus ihr ergibt sich, welche Beschwerden zu erwarten sind, welche Untersuchung sinnvoll ist und ob überhaupt eine Behandlung nötig wird.
Die meisten isolierten zusätzlichen Brustwarzen bleiben gutartig und benötigen keine Therapie. Drüsengewebe kann hormonabhängig anschwellen, schmerzen oder sich während Schwangerschaft und Stillzeit verändern. Weil es grundsätzlich auch gutartige Knoten, Entzündungen und selten bösartige Erkrankungen entwickeln kann, sollten neue oder auffällige Veränderungen nach denselben Grundsätzen beurteilt werden wie Befunde der regulären Brust. Ultraschall ist häufig der erste bildgebende Schritt; weitere Verfahren oder eine Gewebeuntersuchung richten sich nach Alter und Befund.
Eine Operation ist bei Beschwerden, wiederkehrenden Entzündungen, diagnostischer Unsicherheit oder persönlicher Belastung möglich. Der Eingriff ist aber keine Pflicht und sollte insbesondere bei jungen Menschen sorgfältig geplant werden. Auch die häufig genannte Verbindung zu Nierenfehlbildungen ist differenziert zu betrachten: Eine isolierte dritte Brustwarze begründet nach der verfügbaren, uneinheitlichen Literatur keine automatische Untersuchung der Harnwege. Weitere angeborene Auffälligkeiten oder Beschwerden können die Entscheidung verändern.
Entscheidend bleibt ein ruhiger, strukturierter Umgang mit dem Befund. Eine seit Langem unveränderte Besonderheit ohne Beschwerden kann meist beobachtet werden. Ein neuer Knoten, rasches Wachstum, Einziehung, blutige Sekretion, Fieber oder eine anhaltende einseitige Veränderung sollte dagegen zeitnah abgeklärt werden. So lassen sich unnötige Eingriffe vermeiden, ohne relevante Warnzeichen zu übersehen.
Quellen und Bildnachweise
Medizinische Grundlage waren die oben verlinkte klinisch-pathologische Studie zu Polythelie von 2025, die Open-Access-Arbeiten zur Diagnostik bei jungen Menschen von 2018 und zu akzessorischem Brustgewebe von 2024, die am 2. Januar 2026 aktualisierte MedlinePlus-Information, die Information des Universitätsklinikums Erlangen sowie die PubMed-Arbeit zur kontroversen Nierenassoziation. Abgerufen und inhaltlich geprüft am 6. November 2026. Beitragsbild: cottonbro studio, Pexels-Foto 7579823, Fotoseite, Pexels-Lizenz. Zweites Bild: MART PRODUCTION, Pexels-Foto 7088835, Fotoseite, Pexels-Lizenz.